Wir, die Vertreterinnen und Vertreter der unterzeichnenden Organisationen und Institutionen, begleiten den Aufbau inklusiver Schulen im Land Bremen fachlich und konstruktiv. Die inklusive Schule ist das zentrale bildungspolitische Projekt des Senats mit bundesweiter Beachtung. Wir unterstützen diesen mutigen und innovativen Weg, der rechtlich und
gesellschaftspolitisch alternativlos ist.
Bis zum 8. Juni 2012 werden Bremer Organisationen und Institutionen gebeten, eine Stellungnahme zum Entwurf der „Verordnung für unterstützende Pädagogik“ zu formulieren. Die „VuP“ ist das zentrale Instrument zur Umsetzung des Schulgesetzes und zur Ausgestaltung der inklusiven Schule. Die unterzeichnenden Organisationen geben selbst detaillierte Stellungnahmen ab. Die „12 Punkte für Qualität und Verlässlichkeit in der inklusiven Schule“ greifen die Übereinstimmungen der Stellungnahmen auf. Aus Sicht der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner bedarf der vorliegende Entwurf – wie sich aus den Stellungnahmen im einzelnen ergibt – einer grundlegenden Überarbeitung. Die zukünftige VuP darf sich nicht an der Struktur der alten Sonderpädagogikverordnung orientieren, sondern muss dem Grundverständnis eines inklusiven Bildungssystems folgen.
Wir fordern daher die Senatorin für Bildung, Wissenschaft und Gesundheit auf, die „Verordnung für unterstützende Pädagogik“ gemeinsam und kooperativ mit den Verbänden grundlegend neu zu erarbeiten.
Eine VuP, die der inklusiven Schule gerecht wird, muss die folgenden
12 Punkte erfüllen:
1. Die VuP muss dem Schulgesetz und seinem für alle Schulen formulierten Auftrag zur Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems gerecht werden.
2. Die VuP muss als Orientierung und verbindliches Instrument für den grundlegenden Systemwechsel hin zur inklusiven Schule genutzt werden können.
3. Die VuP muss auf die alten Kategorien der Förderbedarfe verzichten und frei von Etikettierung/Stigmatisierung sein sowie das Verfahren der Zuordnung zu Förderorten grundsätzlich abschaffen.
4. Die VuP muss den Anforderungen unterstützender Pädagogik in allen Schulen gerecht werden und entsprechende realitätsnahe und bedarfsorientierte Aufgaben- und Funktionsbeschreibungen sowie konkrete Aussagen zu Personal- und Sachausstattungen beinhalten.
5. Die VuP muss die „Zentren für unterstützende Pädagogik“ (ZuP) als organischen Bestandteil aller Schulen definieren.
6. Die VuP muss die Aufgabenbereiche der Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren (ReBUZ) vollständig darstellen.
7. Die VuP muss den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion zu Diagnostik, Beratung und individueller Entwicklungsplanung aufgreifen und entsprechende Standards formulieren.
8. Die VuP muss geltendem Recht entsprechen. Sie muss juristisch ausgewogen sein und die Rechte von Schülerinnen und Schülern sowie Erziehungsberechtigten hinreichend berücksichtigen.
9. Die VuP muss zur Beilegung von Konflikten ein unabhängiges Mediationsverfahren oder als unabhängige Instanz eine Ombudsperson vorsehen.
10. Die VuP muss auf der Grundlage transparenter Ausstattungs- und Qualitätskriterien den Einsatz auch des nichtunterrichtenden Personals in allen Schulen regeln.
11. Die VuP muss klare Regelungen zu Schulassistenzen und zu individuellen Nachteilsausgleichen benennen.
12. Die VuP muss Qualitätsstandards für die inklusive Schule definieren.
Bremen, den 4. Juni 2012
Der Landesbehindertenbeauftragte des Landes Bremen Dr. Joachim Steinbrück
Eine Schule für Alle Bremen e.V. Elke Gerdes
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Martina Siemer
Lebenshilfe Bremen e.V. Hans-Peter Keck
Sektion Schulpsychologie des BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen) Birgit Muhl
Universität Bremen Arbeitsgebiet Inklusive Pädagogik Prof. Dr. Simone Seitz
Verband Sonderpädagogik Landesverband Bremen e.V. Stefanie Höfer
ZentralElternBeirat Bremen Andrea Spude
Eine Schule für Alle
ist eine Schule für alle Kinder von Klasse 1 bis 12/13. Es gibt keine Gymnasien und keine Förderzentren.
Eine Schule für Alle
ist eine Schule für alle Kinder in einem Stadtteil. Jedes Kind ist dort willkommen.
Eine Schule für Alle
ist die Schule der Zukunft, weil sie das einzelne Kind in den Mittelpunkt stellt. Sie vermittelt den Kindern Schlüsselqualifikationen wie Sozialkompetenz, eigenständiges Arbeiten und Teamfähigkeit. Sie bereitet damit optimal auf die Berufstätigkeit vor.
Eine Schule für Alle
setzt auf individuelle Förderung und wird damit nicht nur den lernschwachen SchülerInnen gerecht, sondern auch den hoch begabten – sie ist leistungsorientiert.
Eine Schule für Alle
entspricht den internationalen Anforderungen an eine
angemessene Schulbildung. Das bestehende System in Deutschland ist selektiv, diskriminierend und undemokratisch und hält Deutschland im Stand eines Entwicklungslandes in Sachen Bildung (so die
Feststellung von Vernor Munoz, UN Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung).
Eine Schule für Alle
orientiert sich an den Pisa-Siegerländern wie Finnland und Kanada und nicht am Mittelfeld wie z.B. Bayern.
Eine Schule für Alle
nutzt die vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen und setzt sie effizient ein.
Eine Schule für Alle
bietet die Chance, überkommene Arbeitsstrukturen für
LehrerInnen zu verändern. Sie führt nicht zum Einzelkämpfertum, sondern fördert ein offenes und teamorientiertes Arbeiten.
In einer Schule für Alle arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen
am gleichen Ziel. Selbstverständlich sind in dieser Schule die Eltern der Schülerinnen und Schüler ein Teil des Teams.
Die Schule für Alle rückt in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens im
Stadtteil.
Eine Schule für Alle
muss wachsen. Unser Ziel ist: Ab dem 01.08.2009 werden die
Grundschulen in die Lage versetzt, alle zur Einschulung anstehenden Kinder
aufzunehmen und angemessen zu bilden und zu erziehen.
Schritt für Schritt wird eine Schule für Alle Realität in Bremen.